Beim Umherreisen in Brasilien hielt sich Steisslinger meist in Hafenorten
und in Küstennähe auf. Wie bei seinen Berliner Bildern bezieht
er oft die Wasseroberfläche und die darauf verteilten Boote mit ein.
Die von Touristen bevölkerten Badestände interessieren ihn nicht.
Meist wählt Steisslinger einen hohen Standpunkt, um eine Übersicht
über das Gelände zu erhalten. Trotz dieses topografischen Abstandes
spürt der Betrachter eine emotionale Nähe. Steisslinger beobachtet
und beschäftigt sich mit den Hafenarbeitern und ihrem Tun.
Im Bild "Im Hafen von Porto Alegre" hält der Maler die
Betriebsamkeit des alltäglichen Lebens in einem farbenprächtigen
Bild fest. Fast den gesamten Vordergrund füllt eine von zwei Kränen
flankierte Lagerhalle aus, die das Bild, wie das Leben vor Ort, dominiert.
Daneben hat Steisslinger mit kurzen, knappen, fast schon kaligrafisch
eingesetzten Pinselstrichen Hafenarbeiter und Esel-Gespanne gemalt. Die
Hafenansicht entbehrt einer streng gegliederten architektonischen Ordnung.
Die hoch angesetzte Horizontlinie unterstreicht die Weiträumigkeit
des präsentierten Stadtausschnitts.
Werkangaben:
Im Hafen von Porto Alegre, 1934
Deckfarbe auf Papier, 38 x 50 cm
signiert und datiert unten links
Privatbesitz
Literatur:
Hans-Jürgen Imiela 1990 mit Abb. auf S.253
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